| Wir finden günstige Geschenke Weihnachten ist längst zum großen Fest des Entmüllens und Entsorgens geworden. Auch wir sind schon viele unnütze alte Geschenke losgeworden, die unsere Schubladen verstopften: selten getragene Socken, wenig gelesene Bücher und aussortierte CDs. Diese Art des Schenkens ist praktisch und wird gern gesehen. Vor allem kostet sie nichts. Doch wir können auch neue, originelle Gaben preisgünstig erwerben oder mit Leichtigkeit ganz umsonst herstellen. * Nierensteine. Wir selbst haben vielleicht noch keine. Aber es gibt sie günstig bei ebay. Wegen ihrer Ähnlichkeit können wir sie auch durch Lavagestein oder trockenes Hundefutter ersetzen. Einfach in eine Plastiktüte abfüllen und beschriften: Urgroßvaters Nierensteine, gern mit exakter Datumsangabe. Noch wertvoller: Marilyn Monroes Nierensteine, Kaiser Wilhelms Nierensteine (erste OP), Napoleons Nierensteine. Und für Ostern: Elvis Gallensteine. * Fahrkarte in den Himmel. Vor allem gläubige Menschen zweifeln daran, ob sie in den Himmel kommen. Ihnen helfen wir. Wir stellen am Computer ein Ticket her entweder indem wir eine im Web abgebilderte Fahrkarte bearbeiten (google-Bildersuche Fahrkarte). Oder wir scannen einen heimischen Fahrschein. Wichtig für die meist älteren und schwachsichtigen Beschenkten: Das Wort Himmel muss gut lesbar sein. * Weihnachtliche Luft. Wir haben noch ein paar leere Marmeladengläser im Keller. Nun bekleben wir sie einfach mit Etiketten Weihnachten 1972, Weihnachten 1954. Wenn wir uns etwas mehr Mühe machen wollen, geben wir noch drei Tannennadeln, ein Stück getrockneten Apfel, etwas Bienenwachs und einen Hauch Zimt hinein. Diese Weihnachtsluft gern aus dem Geburtsjahr des Beschenkten macht Freude und bringt Glück. Jedenfalls uns, weil wir unsere Gläser loswerden, ohne sie zum Container tragen zu müssen. * Ablassurkunden. Als folgenschwerste Errungenschaft Martin Luthers gilt heute die Abschaffung des Ablasshandels. Seither müssen die Menschen allein mit ihren Sünden weiterleben. Doch von Weihnachten an brauchen unsere Lieben das nicht mehr. Wir verschenken Ablassurkunden. Mit dieser Urkunde bist du, (Name des Beschenkten), aller Sünden ledig. Nichts mehr belastet dein Gewissen. Du gehst mit engelsreinem Gemüt ins neue Jahr. Wir unterzeichnen historisch und stilischer mit Papst Leo X. oder authentisch und aktuell mit Benedikt XVI.. * Ahnenfotos. Auf dem Flohmarkt und beim Trödelhändler werden viele alte Fotos feilgeboten, oft in verblüffender Qualität. Niemand weiß mehr, wer darauf dargestellt ist. Das ist gut, denn wir machen sie zu unseren Ahnen. Oder wir schmuggeln sie in fremde Stammbäume. Falls die Fotos beschriftet sind, erfinden wir noch den Beruf dazu. Sonst geben wir ihnen eine komplette Identität. Schön verpackt, werden sie zur Kostbarkeit: Deine Ururgroßmutter Helene Lange Dorothea Erxleben, sie war die Begründerin der Frauenbewegung. Oder Dein Urahn Gottfried Theodor, der erste Direktor der Deutschen Eisenbahngesellschaft. Du hast viel von ihm. Hauptsache, der Beschenkte ist stolz und zeigt die Fotos herum. * Bundesverdienstkreuz. Wir können kein Bundesverdienstkreuz verschenken, denn unbegreiflicherweise hat man uns noch keines verliehen. Doch wir können den Vorschlag für die Verleihung verschenken. Das ist sehr einfach. Wir schreiben einen Brief an den Bundespräsidenten, Schloss Bellevue, 10000 Berlin. Sehr geehrter Herr Bundespräsident, für die Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes schlage ich hiermit meine Tante (hier setzen wir den Namen des Beschenkten ein) vor. Sie (oder er) hat sich in hervorragender Weise |
für Frieden, Abrüstung, Völkerverständigung, Natur, Kinder, Tiere, Opfer, soziale Gerechtigkeit, Konfliktbewältigung, das friedliche Zusammenleben der Menschen, die internationale Völkerfamilie und die berechtigten Anliegen der Menschen eingesetzt. Ein oder zwei dieser Begriffe reichen. Es geht ja nur darum, dass der Beschenkte glücklich über unseren Brief ist. Eine Kopie können wir auch tatsächlich einschicken. Mal sehen. |